Jugend für Umwelt und Sport


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Interview mit Andreas Palm (09.11.2006)

Andreas Palm ist 37 Jahre alt und seit über 20 Jahren als Kanu-Übungsleiter in der Jugendarbeit tätig. Am liebsten fährt er Kajak und unternimmt Kanutouren. Er ist gerne in Deutschland unterwegs, erkundet aber ab und zu auch Flüsse in anderen Ländern.

 

JUUS: Wann hast du mit der Ausübung des Kanusports begonnen?

 

Ich habe schon mit drei oder vier Jahren mit dem Kanusport angefangen. Zunächst bin ich im Boot meiner Eltern mitgefahren, später dann im Einer-Kajak.

 

JUUS: War es eher der Sportgedanke, der dich am Kanusport fasziniert hat, oder hattest du auch damals schon einen konkreten Bezug zur Natur?

 

Besonders hat mich später fasziniert, dass man beim Kanusport viele nette Leute trifft, aber auch alleine sein kann. Man ist in der Natur, auch weil man beim Kanuwandern immer zeltet. Bei anderen KanusportlerInnen mag der Sportgedanke im Vordergrund stehen, aber mich hat vor allem der Naturgedanke gereizt. Durch meinen Sport habe ich bereits viele Länder vom Boot aus kennen gelernt, zum Beispiel Spanien und Frankreich.

 

JUUS: Hat sich dein Bezug zur Natur in der Zeit, in der du deinen Sport ausgeübt hast, verändert? Hat die Natur für dich einen anderen Stellenwert bekommen?

 

Mein Bezug zur Natur hat sich durch den Sport auf jeden Fall verändert. Als KanusportlerIn bemerkt man Veränderungen in der Natur, zum Beispiel durch den Klimawandel. Letzten Sommer gab es so wenig Wasser, dass wir kaum in unserer Region (Köln) paddeln konnten (mit Ausnahme des Rheins). Auch wegen der Naturnähe liegt den meisten KanusportlerInnen der Naturschutz sehr am Herzen.

 

JUUS: Wie verhältst du dich in der Natur, wenn du dort unterwegs bist? Was tust du, um die Natur zu schützen bzw. sie nicht zu schädigen?

 

Ich versuche in erster Linie, Jugendlichen ein naturbewusstes Verhalten zu vermitteln. Ich sage ihnen beispielsweise, dass sie stets Fahrgemeinschaften bilden, keinen Müll liegen lassen und nicht in geschützte Gebiete fahren sollen. Ich selber halte mich natürlich auch an diese Regeln.

 

JUUS: Kommst du öfter in die Situation, als Umweltsünder bezeichnet zu werden, weil du durch den Sport die Umwelt gefährdest?

 

Es gibt einige Streitpunkte mit Behörden. Die Regelungen sind oft widersprüchlich und nicht einheitlich für alle Flüsse. Dies kann zu Problemen mit KanusportlerInnen führen, und die Entscheidungen der Behörden werden häufig nicht akzeptiert. Mögliche Konflikte zwischen dem Kanusport und dem Naturschutz können vor allem mit Verleihern von Kanus und Raftingbetreibern entstehen. Sie geben ihre Boote oft an unerfahrene Personen ab und machen nicht auf nötige Umweltschutzmaßnahmen aufmerksam. Auf dem Fluss kann man sich nicht wie auf einem Kegelausflug verhalten.


JUUS: Was war dein bisher faszinierendstes Naturerlebnis?

 

Es ist sehr faszinierend, in tiefen Schluchten zu fahren. Wenn man ganz alleine ist, weit und breit keine Straßen oder andere Menschen sieht, ist das sehr beeindruckend und ein sehr intensives Naturerlebnis.

 

JUUS: Was sagen eigentlich andere Kanuten zu dem Thema Natur und Sport? Haben sie eine ähnliche Einstellung oder kommt es manchmal auch zu Konflikten?

 

Die meisten Kanuten sind gut informiert und halten sich an Regelungen. Einige beachten allerdings Sperrungen und Naturschutzgebiete nicht und lassen Müll herumliegen. Das sorgt für ein schlechtes Image des Sports.

 

JUUS: Was sind deine Ziele für die Zukunft?

 

Sportlich gesehen möchte ich in den nächsten Jahren Flüsse befahren, die ich bisher noch nicht gesehen habe. Dazu möchte ich mich auch außerhalb von Europa aufhalten, zum Beispiel in der Türkei oder Marokko.
Es ist mir außerdem sehr wichtig, dass die Flüsse geschützt werden. Sie sollten nicht durch Kraftwerke verbaut werden, wie es derzeit vor allem in Österreich an einigen Stellen geplant ist. Außerdem sollten sie nicht begradigt werden, sondern natürlich fließen können.

 

JUUS: Hast du noch spezielle Tipps für unsere sport- und naturbegeisterten LeserInnen?

 

InteressentInnen sollten sich an einen Kanuverein wenden. Es ist am besten, in den Sport reinzuschnuppern und sich zu informieren, anstatt sich sofort ein Boot zu leihen. Auf der Seite www.kanu.de kann man Vereine suchen. Im Internet findet man auch Informationen zu Wandertouren, bei denen man die Natur erleben und genießen kann.

 

JUUS: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen dir weiterhin viel Spaß und Erfolg beim Kanuwandern.